Websites mit AI erstellen
Revolution oder Risiko?

Vibe Coding, AI Website Builder und Websites auf Knopfdruck: Künstliche Intelligenz verändert gerade grundlegend, wie Websites erstellt werden. Doch ist es wirklich so einfach, wie uns die Werbung glauben lässt?
Noch vor wenigen Jahren brauchte es für die Erstellung einer professionellen Website Kenntnisse in Webdesign, Programmierung oder zumindest Erfahrung mit Content-Management-Systemen. Heute reicht scheinbar ein einziger Prompt: Beschreibt, welche Website ihr benötigt, und wenige Minuten später präsentiert euch die AI ein fertiges Ergebnis.
Klingt beeindruckend. Und das ist es auch.
Doch zwischen einer Website, die auf den ersten Blick gut aussieht, und einer professionellen, sicheren und langfristig erfolgreichen Website liegt weiterhin ein großer Unterschied.
Vibe Coding: Einfach machen statt programmieren?
Einer der aktuellen Trends rund um künstliche Intelligenz ist das sogenannte „Vibe Coding“. Der Begriff beschreibt eine neue Art der Softwareentwicklung, bei der Anwendungen oder Websites überwiegend durch natürliche Sprache erstellt werden. Statt selbst Code zu schreiben, beschreibt ihr einer AI, was ihr haben möchtet.
„Erstelle mir eine moderne Website für einen Fotografen.“
„Mache den Hintergrund dunkler.“
„Füge ein Kontaktformular hinzu.“
Die AI übernimmt anschließend einen großen Teil der technischen Umsetzung.
Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Auch Menschen ohne Programmierkenntnisse können innerhalb kurzer Zeit eigene Websites und Anwendungen erstellen. Tools wie Lovable, Bolt oder Replit machen eindrucksvoll vor, was bereits heute möglich ist.
Eine Website in wenigen Minuten? Im Grundsatz stimmt das sogar
Die Werbung vieler AI Website Builder klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Ihr beschreibt eure Idee und die künstliche Intelligenz erstellt den Rest.
Ganz falsch ist dieses Versprechen nicht.
AI kann heute innerhalb weniger Minuten Layouts erstellen, Texte generieren, Bilder integrieren und sogar komplette Websites programmieren. Gerade für erste Entwürfe, Prototypen oder einfache Projekte ist das eine enorme Entwicklung.
Das Problem beginnt häufig erst nach dem ersten beeindruckenden Ergebnis.
Denn eine Website kann modern aussehen und technisch funktionieren, ohne wirklich das zu sein, was ihr ursprünglich im Kopf hattet.
Sieht gut aus. Aber ist es auch eure Website?
AI arbeitet auf Grundlage eurer Eingaben, vorhandener Daten und erlernter Muster. Das führt häufig zu Websites, die optisch durchaus überzeugen können.
Doch gutes Design besteht aus mehr als schönen Farben, großen Überschriften und modernen Animationen.
Eine professionelle Website muss zu eurem Unternehmen, eurer Zielgruppe und euren Zielen passen. Sie benötigt eine klare Nutzerführung, eine durchdachte Struktur und Inhalte, die eure Besucher gezielt zu einer Handlung führen.
Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.
Je genauer eure Vorstellungen werden, desto komplexer können auch die notwendigen Prompts und Anpassungen werden. Aus dem ursprünglichen Versprechen „Website in wenigen Minuten“ kann schnell ein langwieriger Prozess aus Änderungen, neuen Prompts und unerwarteten Ergebnissen werden.
Was passiert, wenn ihr später etwas ändern möchtet?
Eine Website ist normalerweise kein abgeschlossenes Projekt. Leistungen ändern sich, neue Mitarbeiter kommen hinzu, Texte müssen angepasst oder neue Seiten erstellt werden.
Deshalb spielt die langfristige Wartbarkeit einer Website eine entscheidende Rolle.
Bei klassischen Content-Management-Systemen wie WordPress können Inhalte über eine übersichtliche Benutzeroberfläche bearbeitet werden. Bei AI-generierten Websites hängt die einfache Bearbeitung dagegen stark davon ab, mit welchem System die Website erstellt wurde.
Im schlechtesten Fall müsst ihr für kleine Änderungen erneut die AI bemühen oder direkt in den generierten Code eingreifen.
Spätestens dann stellt sich die Frage: Habt ihr wirklich eine Website erstellt oder lediglich Code generiert, den ihr selbst kaum versteht?
Das größte Problem: Sicherheit
Noch kritischer wird es beim Thema Sicherheit.
AI kann beeindruckenden Code generieren. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass dieser Code sicher ist.
Genau hier liegt eines der größten Risiken des Vibe Codings. Wer selbst keine ausreichenden Programmierkenntnisse besitzt, kann häufig kaum beurteilen, ob der generierte Code Sicherheitslücken enthält.
Funktioniert das Kontaktformular sicher? Werden Eingaben korrekt überprüft? Sind API-Schlüssel geschützt? Gibt es veraltete oder unsichere Abhängigkeiten?
Das sind Fragen, die sich beim bloßen Betrachten einer Website nicht beantworten lassen.
Auch Organisationen wie OWASP beschäftigen sich inzwischen intensiv mit Sicherheitsrisiken rund um AI-generierten Code und AI-Anwendungen. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass AI Coding Assistants zwar die Produktivität steigern können, die Ergebnisse aber weiterhin überprüft und getestet werden müssen.
Auch SEO und Performance entstehen nicht automatisch
Ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist die langfristige Sichtbarkeit einer Website.
Eine optisch ansprechende Website ist nicht automatisch für Google optimiert. Seitenstruktur, Überschriften, interne Verlinkungen, strukturierte Daten, Ladezeiten, mobile Darstellung und hochwertige Inhalte spielen weiterhin eine entscheidende Rolle.
AI kann bei all diesen Themen unterstützen. Sie ersetzt aber nicht automatisch eine durchdachte SEO-Strategie.
Das Gleiche gilt für die Performance. Generierter Code kann unnötig komplex sein, große Abhängigkeiten enthalten oder Funktionen laden, die überhaupt nicht benötigt werden.
AI ist ein Werkzeug. Und ein verdammt gutes.
Bedeutet das, dass wir von AI-generierten Websites abraten?
Ganz im Gegenteil.
Wir selbst beschäftigen uns intensiv mit künstlicher Intelligenz und nutzen AI in vielen Bereichen unserer täglichen Arbeit. Die Technologie eröffnet Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren.
Entscheidend ist jedoch, wie sie eingesetzt wird.
AI kann Prozesse beschleunigen, Ideen entwickeln, Code erstellen und bei der Optimierung unterstützen. Die Technologie ersetzt aber nicht automatisch Erfahrung in Webdesign, Nutzerführung, SEO, Performance und Sicherheit.
Oder anders gesagt: Mit AI kann heute fast jeder eine Website erstellen.
Eine wirklich gute Website zu erstellen, ist weiterhin eine andere Geschichte.
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